Wenn Medien die richtigen Fragen stellen …

Diese Frage …

„Wenn sowohl Covid-Doppelt-Geimpfte als auch -Geboosterte nach aktuellem Stand der Wissenschaft Andere zwar weniger anstecken können – aber beide Gruppen eben immer noch – wieso brauchen Geboosterte im Gegensatz zu Doppel-Geimpften keinen zusätzlichen Testnachweis?

habe ich aus meiner kürzlich veröffentlichten Liste „Welche Journalistenfragen ich 2021 vermisst habe“ wieder herausgenommen, da sie im Anschluss an die erste Ministerpräsidentenkonferenz im Januar 2022 tatsächlich (sinngemäß) von Ingo Zamperoni in den Tagesthemen gestellt wurde, und zwar an Franziska Giffey (Regierende OBM Berlin, aktuell stellvertretende Vorsitzende der MPK).

Die Antwort Frau Giffey’s war relativ selbstentlarvend … sie wirkte verunsichert und begründete mit stärkerem Eigenschutz vor der Infektion. Allerdings ist die offizielle Begründung des Maßnahmenpaketes eine andere, nämlich die Priorisierung des Fremdschutzes (= Übertragungen mit allen Mitteln verhindern). In diesem Kontext dürfte aber eine Unterscheidung der beiden Gruppen keinen Sinn machen (da beide noch übertragen können).

Frau Giffey’s Antwort ist auch dahingehend selbstentlarvend, dass der Verzicht auf die Testpflicht bei Geboosterten offensichtlich keinem wissenschaftlichen Ansatz folgt, sondern einem manipulativ volkserzieherischen. Es soll Druck zur Impfung aufgebaut werden. Das wird dann zwar „Motivation“ genannt, erinnert mich aber eher an „Motivationsschübe“ genannte Lenkmaßnahmen während meine Bundeswehrzeit.

Da die Menschen aber in der Regel weniger blöd sind als der ein oder die Andere denken mag, befürchte ich, dass solches Vorgehen die Akzeptanz tatsächlich nicht erhöhen wird, sondern potenziell alle Maßnahmen – auch die gerechtfertigten – diskreditiert und Verschwörungsfanatikern neues Futter gibt. In einer Demokratie sollte man sich immer die Frage stellen, ob ein konkretes Handeln hilft, Menschen von der (unwidersprochen) positiven Wirkung der Impfung zu überzeugen … oder eher nicht.

Hehre und gute Ziele rechtfertigen nicht dumme Maßnahmen. Und Politiker in Verantwortung sollten sich nicht als Kindergärtner verstehen, wenn sie selber ernst genommen werden wollen.

Jennifer Wilton hat das Ereignis in ihrem Kommentar in der WELT „Grundrechte einschränken, um ein Zeichen zu setzen? Das ist erschreckend!“ ebenfalls – aus einem zusätzlichen Blickwinkel – beschrieben.

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