Respektlosigkeiten II (im Job)

Eine Analogie.

Nicht Kollegen und Vorgesetze sind das Problem! Sondern man selber …

  • Welche Wertschätzung geben Sie Ihren Aufgaben und Beiträgen im Team?
  • Wann waren Sie selber das letzte Mal stolz auf die eigene Leistung?
  • Wann haben Sie sich selber das letzte Mal gelobt?
  • Oder relativieren Sie regelmäßig selber Ihre Leistungen?
  • Erzählen Sie selber positiv von Ihrem Job … Ihren Aufgaben?
  • Oder wollen Sie lieber nicht auffallen bzw. herausstechen?
  • Wenn sie gefragt werden, was Sie machen, können Sie sofort eine knappe, klare, verständliche, positive Aussage machen, die Ihren Wert für das Team und das Unternehmen offensichtlich macht?
  • Und so weiter …
  • Und so fort …

 

Wie kann man von Kollegen und Vorgesetzten Respekt und Anerkennung für die eigenen Leistungen und Wertigkeit im Team erwarten … wenn man es selber nicht tut?

Der harte Dackel

Eine Geschichte aus dem wahren Leben. Von Joe, einem Mittelmanager in einem großen Industrieunternehmen mit klarer Karrierebereitschaft.

Joe fällt während seiner Zeit in einer konkreten Führungsposition eigentlich nicht besonders auf, etwa durch mutige Projekte oder die Bereitschaft, notwendige schwierigen Entscheidungen zu treffen. Beides wird als potenzielles Risiko angesehen. Besser nichts tun, als potenziell etwas Falsches tun, das einen Makel für die geplante Karriere hinterlassen könnte. Er verhält sich relativ ruhig, will nicht anecken.

Dann aber! … zum Ende seiner Amtszeit in der aktuellen Rolle, markiert Joe plötzlich den großen Macker. Er dreht noch einmal voll auf! Er präsentiert sich – vor allem gegenüber seinen Linienvorgesetzen – als Macher, als harter Hund, der schwieriges anpacken und taffe Entscheidungen fällen kann. Es geht dabei gar nicht um die Sache. Es geht nicht um schwierige Entscheidungen, die aufgrund einer Situation notwendig wären. Sondern es geht ausschließlich um eine Selbstdarstellung als „harter Hund“. Es ist auch durchaus effizienter, lediglich in den letzten 3 Monaten den starken Max zu spielen, als sich 2-3 Jahre reinzuhängen. Der letzte Eindruck bleibt hängen.

Nun ist es kurz vor dem Verlassen einer Position natürlich leicht, in Aktionismus zu verfallen … denn es ist relative risikofrei. Joe muss die Konsequenzen seiner Entscheidungen ja nicht mehr selber tragen, sondern sein Nachfolger. Und er muss sich mit den Menschen, über die er ganz „taff“ entscheidet, nicht mehr auseinandersetzen.

Insofern ist der angeblich so „harte Hund“ Joe eigentlich ziemlich feige. In Wirklichkeit nur ein ‚harter Dackel‘. Mit grosser Klappe wenn es nicht darauf ankommt, kurzen Beinen, mit denen sich keine großen Sprünge machen lassen, sowie einer begrenzten Weitsicht.

Kurzgebratenes zur Causa Böhmermann

Ja, ja, OK … ist momentan en vogue sich mit Herrn Böhmermann zu solidarisieren bzw. gegen Herrn Erdoğan zu positionieren.

Daher ist das hier jetzt vielleicht ein bisschen Me2 … doch es ist mir wichtig, und deshalb will ich es zumindest einmal gesagt haben.

Ging  Böhmermanns Gedicht zu weit? Ja!

Muss man das als grosser, starker Mann aushalten können? Ja sicher! Getreu dem Spruch: Was juckt es eine starke Eiche, wenn eine Sau sich daran wetzt.

Doch der „arme Herr Erdoğan“ – eine Runde Mitleid bitte!* – ist wohl eher mehr Zitterpappel als Eiche.

Nein, klare Ansage von mir: „I disapprove of what you say [Böhmernann], but I will defend to the death your right to say it.“ (Evelyn Beatrice Hall)

 

Kleiner Nebenkriegsschauplatz … aus dem Offenen Brief von Matthias Döpfner in der Welt vom 10.04.2016 zitieren:

„Sobald es gegen die katholische Kirche geht, ist das Lachen des Justemilieu programmiert. Es kann gar nicht respektlos und verletzend genug sein. […] Beim türkischen Präsidenten ist das anders.“

Ich selber habe sogar einst Dirk Bach als fernsehtaugliche Gott-„Parodie“ ertragen müssen … wie witzig!* … Schenkelklopfer!* Das Bild kriege ich bis heute nicht aus dem Kopf!!!


* Achtung Satire!

 

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Lassen Sie besser nicht Ihre Kunden die Qualitätskontrolle machen

Ich nenne es das „Microsoft-Prinzip“ … und es ist falsch. Seit vielen Jahren ist Microsoft bekannt dafür, halbgare Software auszuliefern, die nach und nach repariert werden durch Patches und „Service Packs“ auf der Basis der von Kunden gefundenen Fehler. Faktisch lässt Microsoft seine Kunden die Qualitätskontrolle (QC) machen.

 

Szenenwechsel. Vor einigen Jahren nahm ich an einem Lean-Process-Workshop teil. Um direkt zum Punkt zu kommen, der schließlich entwickelte „optimierte“ und ‚lean‘ Prozess verzichtete auf eine Ausgangskontrolle und schob den abschließenden Schritt der finalen Qualitätskontrolle zum Kunden. Um fair zu sein, wir hatten einige schlaue neue QC Zwischenchecks an Übergabe-Schnittstellen im Prozess eingebaut … aber die Prüfung, dass das Produkt abschließend in Ordnung war, wurde faktisch übergeben.

Ich war damals sehr überrascht, der Einzige zu sein, der widersprach und offen insistierte „das ist schlicht und einfach Mist!

An diesem Punkt muss ich anmerken, dass ich mit einem Erfahrungshorizont kam, der sich von dem  der Anderen unterschied. Bevor ich zu der pharmazeutischen Firma kam (für welche ich zu diesem Zeitpunkt arbeite), hatte ich ca. 10 Jahre lang mein eigenes kleines Service-Unternehmen. Ich war davon durchdrungen, dass sich Kunden typischerweise wünschen bzw. klar erwarten, für Ihr Geld zuverlässige Qualität zu bekommen. Und ich denke bis heute, sie können das auch erwarten. Ich tue das ja auch. Als Service-Provider war es immer eine großartige und unglaublich befriedigende Erfahrung, vom Kunden das Feedback zu bekommen, dass er ebenfalls zufrieden war mit einer qualitativ hochwertigen, fehlerfreien Lieferung. Ich kann nur sagen, es macht wirklich Spaß, sein eigenes Produkt vom Kunden wertgeschätzt zu erleben.

 

Selbstverständlich braucht es immer auch eine explizite Endabnahme durch den Kunden, mit der zwangsläufig eine – wie auch immer gestaltete Form der – kundenseitigen Kontrolle einhergeht. Alleine aus vertragsrechtlichen Gründen.  Aber das meine ich hier nicht. Idealerweise sollte der Kunde hierbei nämlich nichts finden. Zumindest keine Flüchtigkeitsfehler oder fehlerhaften Produkte, die durch eine geeignete Ausgangskontrolle identifiziert und zurückgehalten hätten werden können.

Erneuter Szenenwechsel. Vor kurzem arbeitete ich mit einer Agentur, deren Lieferungen ich immer wieder gegenprüfen und kleinere wie grössere Fehler korrigieren musste. Aus meiner Sicht tat ich deren Arbeit. Und wir sprechen hier von Fehlern, die augenscheinlich waren und durch einen einfachen Gegencheck auf Agenturseite vor Ablieferung ausgemerzt hätten werden können. Ich fragte mich selber, warum ich eigentlich einen Teil der Arbeit tat, für die ich bezahlte? Ich persönlich erwarte ganz klar zuverlässige und ausgereifte Produkte bzw. Werke, die abschließend qualitätsgeprüft sind, bevor sie in meiner Inbox landen. Diese Agentur nervte mich.

War dies die Basis einer langen, fruchtbaren Zusammenarbeit?

Ich denke nicht.

 

Lange Rede kurzer Sinn, das Abliefern ordentlich qualitätsgeprüfte Produkte kann besser für Ihr Business sein als „über-lean“ zu sein. Spielen Sie nicht Microsoft solange Sie nicht dieselbe Monopolstellung haben.

Machen Sie durch Qualität im Detail zufrieden … und genießen Sie im Gegenzug eigene Zufriedenheit und Erfolg!

Positiv in das neue Jahr – Fürchte Dich nicht!

„Fürchtet Euch nicht!“

… betitelt Jan Ross seinen Leitartikel in der ZEIT (#52 vom 23.12.2015), die Anlehung an die biblische Weihnachtsgeschichte als Kontrast zur Sicht auf „2015 als Jahr der Angst“.

Es folgt ein wirklich lesenswerter Text, den ich nur jedem empfehlen kann. Ich fand es bereits richtig gut, dass die Welt das Politikressort der Weihnachtsausgabe mit einer Artikelserie unter dem Motto „Es gab auch gute Nachrichten“ aufmachte. Jan Ross‘ Artikel hinterlies bei mir dabei  den stärksten Eindruck.

Ross vergleicht die politischen Krisen und Herausforderungen des Jahres 2015 mit der Situation nach der Weltwirschaftskrise vor 85 Jahren (Zitat): „Man muss sich klarmachen, wie angeschlagen die freie Welt Anfang der 1030er Jahre war: historisch in die Ecke gedrängt von den scheinbar kraftstrotzenden Ideologien Kommunismus und Faschismus, voller Selbstzweifel hinsichtlich der Erneuerungsfähigkeit des eigneen Wirtschaftssystems und der Zukunftschancen der liberalen Demokratie.“ Ross skiziiert, welch wichtige Rolle die Furchtlosigkeit und der  (resultierende) Mut zum Experiment des damaligen Präsidenten der USA, Franklin Delano Roosevelt, bei der Überwindung der dunklen Jahre spielten. Sein Fazit: Die historische Erfahrung lehrt, dass man mit Optimismus und Zuversicht besser fährt als mit Angst.

„Fürchtet Euch nicht!“ lässt sich aber nicht nur auf die politische Großwetterlage anwenden. Sondern sehr passend auch auf das Geschäftsleben und den Job. Einer meiner Lieblingssprüche lautet „Angst ist ein schlechter Ratgeber“. Ich nerve mein unmittelbares Umfeld längst damit, qweil ihc das immer und immer wieder sage. Aber es ist meine feste Überzeugung. Empfundene Angst taugt als passables Warnsignal, zum Beispiel für unausgesprochene Konflikte oder zu lösende Probleme. Aber Angst sollte nie  Entscheidungsgrundlage oder Motivation sein. Was man aus Angst tut oder unterlässt ist meistens falsch.

Ängste im Job gibt es viele. Angst vor dem Scheitern eines Projektes, Angst vor dem Scheitern eines Auftrages, Angst vor dem Verlust eines wichtigen Kunden, Angst vor einem schwierigen Kollegen, Angst vor einer Umstrukturierung, Angst vor einer Versetzung, Angst vor dem Jobverlust, Angst vor der Karrieresackgasse, Angst vor dem Chef, Angst vor dem Versagen, Angst vor Ablehnung und Gesichtsverlust. Ich kenne selber viele dieser Ängste. Da ist keiner von frei, egal wie abgebrüht er oder sie sich gibt. Und wer tatsächlich gar keine Angst spürt ist entweder dumm oder ungesund ignorant. Angst zu spüren ist nicht das Problem, sie kann ein wertvoller Indikator sein, dass etwas nicht richtig läuft.

Aber Angst zu folgen, sich von der Angst bestimmen zu lassen, die Angst als Grundlage von Entscheidungen und Handlungen zu machen ist definitiv der falsche Weg. Angst blockiert unsere Experimentierfreude und den Mut für innovative Lösungen und Wege.

Franklin D. Roosevelt sagte bei seiner Amtseinführung am 04. März 1933 folgenden Satz:

Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.

Daher ist „Fürchtet Euch nicht!“ ein großartiger Wahlspruch und ein ausgezeichneter Vorsatz für den Start in das neue Jahr.

Fürchte Dich nicht!

Warum Joe Siemens nicht gut tun wird

„Namen sind Schall und Rauch.“ mag man flapsig für Dingen und Gegenständen sagen, wenn einem der richtige Begriff gerade einmal nicht einfallen will.

Namen von Menschen jedoch sind mehr als „Schall und Rauch“, sie sind im positivsten Sinne Wurzel und Identität.

Deswegen ist die Änderung des eigenen Namens immer ein großer, persönlicher Schritt. Und nicht ohne Grund machen Gesetzgeber und Verwaltungen diesen nicht leicht. Ich kenne Menschen, die aus guten Gründen den Aufwand auf sich nahmen, ihren Nachnamen ändern zu lassen (Anmerkung: die folgenden Beispiele sind abgeleitet und rein fiktiv). Beispielsweise von „Allesschitt“ zu „Allesschmitt“ … das ist nachvollziehbar denke ich. Oder wenn das mit US-Datenbanken inkompatible „Busen-s“ (ß) bei Vielreisenden für stetige, nervige Diskussionen bei der Ein- und Ausreise sorgt, wie bei „Jens Boß“ – O-Ton am Einreiseschalter: „Why is you name in the passport different from our ESTA file, Mr. Bob?“ – heute „Jens Boss“.

Jemand, bei dem ich es jedoch bisher leider nicht nachvollziehen kann, ist Siemens-Chef Joe Kaeser, vormals Josef Käser. Auch wenn die Kommunikationsabteilung des Unternehmens sehr offensiv das Bild verbreitet, wie verbunden Joe Kaeser seiner niederbayerischen Herkunft sei … es fühlt sich irgendwie nach unterwürfiger Anbiederung an anglo-amerikanische Gegebenheiten zum alleinigen Zweck der Förderung der eigenen Karriere an.

Das ist jetzt sehr hart formuliert, ich weiss. Aber läuft es nicht darauf hinaus? Falls meine Vermutung richtig ist, stellt sich doch zwangsläufig die Frage, wie gut einem Unternehmen eine Führungspersönlichkeit tut, die sogar ihren Namen zum persönlichen Vorteil instrumentalisiert?

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Starke Unternehmen wie Siemens brauchen integere Führer, um sich dauerhaft auf internationalen und umkämpften Märkten zu behaupten. Doch welche Integrität darf man von einem Manager erwarten, der noch nicht einmal zu seinem Namen steht? Selbstsicherheit und innere Stabilität drücken sich meiner Meinung nach anders aus.

Ich würde mich für Siemens freuen, wenn meine Vermutungen falsch sein sollten. Die gescheiterte Alstom-Übernahme könnte jedoch bereits ein erstes Anzeichen dafür sein, dass Joe Kaeser nicht gut für Siemens sein wird. Josef Käser wäre es vielleicht gewesen.

Bildzeitung ist überall

Ja, ja, ich weiß … irgendwie habe ich gerade mal wieder eine Medienkritikphase. Tut mir leid, ich verspreche, mich in Kürze auch wieder anderen Themen zu widmen. 😉

Aber – so viel Zeit muss sein – dieses Fundstück würde ich wirklich gerne mit Euch teilen. „Moderne Hexenjagden“ von Wolfram Weimer (PRO, Ausgabe 6/2013, Seite 35).

„Heinrich Böll beschrieb im Jahr 1974 mit seiner Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, wie ein weitgehend unschuldiger Mensch zum Opfer einer Medienhatz werden kann. Böll kritisierte damit vor allem die Boulevardblätter und ihre zuweilen menschenverachtende Berichterstattung. Doch seit 1974 gingen viele Ehren durch Medienhysterien verloren und längst ist der Boulevard überall. […]
Ausgerechnet der Kölner Rocksänger Wolfgang Niedecken – 1980 aus der katholischen Kirche ausgetreten – rief als erster „Halt“. In Anbetracht der geifernden Verfolgung des Bischofs von Limburg klagte er über eine „Hexenjagd“. Hass und Häme nähmen überhand, wenn die Medien ihr Opfer im Rudel attackierten. […]
Medien sollten aufpassen, keine selbstgerechten Pharisäer zu werden. Die Politik sollte bei aller Debatte und Kritik die Achtung achten, die Ehre ehren und den Respekt respektieren. Und letztlich sollten wir verhindern, dass der Öffentlichkeit nichts mehr heilig ist. Auch hier könnte ein Blick in die Bibel helfen. Oder zumindest in Böll.“

… (vollständiger Text auf Seite 35 des PDF)

Warum sagt es ihm bloß keiner …?

post20141107Anmerkung vorweg. Wenn ich im folgenden von „ihm“ und „er“ rede, dann ist das im realen Leben leider sehr oft auch „sie“. Ich möchte jedoch im Interesse der Lesbarkeit auf hippes gender-mainstreaming verzichten. Ich bitte um großzügige Nachsichtigkeit.


switch to English versionIm Konzern ist ein neuer Bereichschef ist ernannt. Und dieser möchte sich und seine Pläne den Mitarbeitern in den Abteilungen und Unterabteilungen vorstellen. Das ist erst einmal ein legitimer Ansatz. Dazu veranstaltet er eine sogenannte „townhall“, das ist so … wie soll ich sagen … stimmungsmäßig eine Mischung aus kollektiver Selbstbeweihräucherung, „Tschakka“-Motivationstrainer-Show und Heizdeckenverkaufsveranstaltung. Eigentlicher Sinn ist, dass der neue Chef sich mit weniger Mitarbeitern einzeln beschäftigen muss. Stattdessen werden alle kollektiv auf einmal abgefrühstückt.

Aber ich schweife ab. Zurück zum Thema …

Also, besagter neuer Bereichsleiter steht nun vorne, vor – je nach Bereich – 300-400 Untergebenen  und spricht über seine Pläne. Er spricht darüber, dass in der Vergangenheit vieles schon ganz gut gemacht wurde, aber natürlich noch erheblicher Verbesserungs- und Optimierungsbedarf besteht. Er erklärt seinen Masterplan, der auf 5-6 Jahre angelegt ist, endlich alle Probleme des Bereiches lösen wird und die ultimative Lösung für eine blühende Zukunft des Unternehmens ist. Selbstredend ist eine grundlegende Umstrukturierung elementarer Bestandteil der neuen Strategie.

Es gibt nur ein Problem: Er ist bereits der 3. neue Bereichsleiter in 5 Jahren. Ein Großteil der Mitarbeiter, die da gerade sitzen, haben in den Vorjahren dieselbe Ansprache bereits wiederholt gehört. Das ist noch gar nicht im Langzeitgedächtnis angekommen, so frisch und präsent ist das noch. Und diese Mitarbeiter sitzen da, hören zu, und denken: „Erzähl Du nur! In maximal 2 Jahren bist Du eh wieder weg. Und dann kommt der Nächste, und erzählt erneut dasselbe, dass er weiß, wie es wirklich geht. Und der ganze große Masterplan wird Geschichte sein, wie all die anderen großen Masterpläne zuvor.“

Ergebnis: Eigentlich macht sich der neue Bereichsleiter bei der Veranstaltung gerade eben zum Narren.

Muss das sein? Warum hat ihn keiner entsprechend vorbereitet und gebrieft? Wer zum Henker coacht Mittelmanager eigentlich so dilettantisch? Das wirkt fast so, als würden alle in dieser Situation eine etablierte Checkliste abarbeiten … eine ziemlich dämliche zumindest.

Eine ehrliche und bodenständige Ansprache, die den Respekt und die Anerkennung der Mitarbeiter gewinnen würde, sähe wohl eher so aus:

„Hallo beisammen. Ich bin der neue Chef, und auch ich kann Wasser nicht in Wein verwandeln! Wir haben jetzt 2 Jahre zusammen, unter Umständen etwas weniger. Lasst uns in dieser Zeit zusammen das Beste daraus machen, so dass jeder von uns am Ende kleine aber feine Erfolge und Fortschritte vorweisen kann, und wir keinen unnötigen Kollateralschaden angerichtet haben.“

ADAC im Fadenkreuz

Man muss kein Freund des ADAC sein, damit er einem gerade ziemlich leid tut. Er bekommt gerade die volle Breitseite des deutschen Medienmobs ab. Die Jagd ist eröffnet. Es hat eh mal wieder ein Opfer gebraucht. Guttenberg ist abgehangen. Wulff ist erlegt. Brüderle abgetaucht. Lammert zu riskant. Schavan beim Papst.

Gut, die Vorwürfe reduzieren sich aktuell auf …

  1. bei der Wahl zum Auto des Jahres wurde die Plazierungsreihenfolge manipuliert
  2. dabei der Liebling des Marketingchefs weiter oben platziert
  3. sind Vorstandsmitglieder des Vereins mit Hubschraubern des Vereins geflogen
  4. verkauft der ADAC Autobatterien.

Alleine durch tägliches Wiederholen kann man da einen herrlichen Skandal draus bauen. Mir selber wurde die manipulierte Reihenfolge (2.) mittlerweile an vier (n=4) unterschiedlichen Tagen in den Fernsehnachrichten als die Hammeraufdeckung des Tages präsentiert. Neu jedoch war die „neue Enthüllung“ schon beim zweiten Mal nicht wirklich. Und dass ehrenamtliche Führungsmitglieder des Vereins fliegendes Inventar des Vereins gebraucht habe, ist für mich eine Angelegenheit des Vereins. Dort denselben Maßstab anzuwenden wie bei hauptamtlichen Staatsangestellten, die Inventar des Staates gebrauchen, finde ich nicht richtig.

Und wer da schon immer (oder auf einmal) ADAC-Experte war. Meine Güte, wo sind die denn alle auf einmal aufgetaucht? Ja, und was die alle so wissen! Wobei … eigentlich ist spannend, was sie nicht wissen. Denn außer dem oben schonn genannten tragen sie bisher nicht wirklich Neues dazu bei. Man hätte schon erwarten dürfen, dass bei der ganzen investigativen Hetze mehr heraus kommt. Zumindest dürfen reihum alle mal sagen, wie schlimm das doch ist. Wie gesagt, durch’s Wiederholen wirkt es sogar noch schlimmer. Es sagt allerdings keiner, wer denn da eigentlich den oder überhaupt einen Schaden hatte (außer der ADAC selber bzw. seine Mitglieder). Das Ganze ist wie ein Mord ohne Leiche.

Nein, so richtige Opfer sind nicht zu finden. Oder kennen Sie jemanden, der so leichtfertig ist, und seine Autokaufentscheidung von der Wahl des Gelben Engels abhängig gemacht hat? Selbst falls Sie einen finden sollten, hätte ich nicht wirklich Mitleid. Und Autobatterien verkauft der ADAC seit – gefühlt – Jahrzehnten. Hatte bisher niemanden gestört. Und es sollte bitte auch nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Die meisten Presse- und Medienorgane verdienen ebenfalls zunehmend ein Zubrot über diversen Schnickschnack, von lustigen Plüschfiguren und Schlüsselanhänger, über hochpreisige CDs und Bücher, bis hin zu iPads und Kulturreisen. Stört auch niemanden.

Die Zerschlagung des Vereins und den Rücktritt des gesamten Vorstandes und die Rückabwicklung der Mondlandung kann man aber trotzdem mal fordern. Das geht immer irgendwie. Ist bei vielen Presse- und Medienvertretern ganz oben in der Textbausteinkiste abgelegt, das fällt fast von alleine in den Mund.

Doch das Verhältnis der geforderten Konsequenzen im Vergleich zum real entstandenen (Nicht)Schaden, ist wohl nicht ganz ausgewogen, oder täusche ich mich?! Da kommen mir irgendwie Kanonen und Spatzen in den Sinn. Oder Bagger für den Hausputz.

Nein, liebe Journalisten. Euer überzogenes Scharfrichtertum nervt mich eigentlich nur, muss ich ganz ehrlich sagen. Man kann dem ADAC tatsächlich eine einzige Sache vorwerfen, nämlich dass er im Jahr 2014 immer noch mit den Strukturen eines Kaninchenzüchtervereins geführt wurde. Dafür braucht es aber keine Enthüllungsjournalisten, sondern einfach nur einen regelmäßigen Blick in die Vorstandsnachrichten der Mitgliederzeitschrift. Und ein wirkliches Verbrechen ist es eigentlich auch nicht.

Doch dem ADAC hat sich mittlerweile ein Hoffnungsschimmer aufgetan. Unsere Schweizer Nachbarn haben gerade spontan das bundesrepublikanisch-mediale Feuer auf sich gezogen. Vielleicht haben die Kaninchenzüchter Glück, und kommen mit einem blauen Auge davon. Tu fortis Helvetia!