Blasen-Gedöns

Wenn ich das Unwort des Jahres 2017 aussuchen dürfte, wäre meine Wahl klar: „Filterblase“.

Was für ein hohler, nichtssagender Begriff. Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen …

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In der ‚Filterblase‘ sind immer die Anderen

Das Sein in der „Filterblase“ wird in der Regel denjenigen zugeschrieben, die eine andere Meinung haben. Es ist mittlerweile vor allem ein Kampfbegriff. Eine Killerphrase.

Dabei sitzen Menschen, die Andere in einer „Filterblase“ sehen, oft selber in einer.

Denn …

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Jeder sitzt in seiner ‚Filterblase‘

AfD-Wähler, SPD-Mitglieder, Berliner Spitzenpolitiker, Parteivolkzugehörige, Greenpeace-Jünger, Technik-Freaks, Spitzenmanager, Biobauern, Fussballspieler, Gottesdienstbesucher, Netflix-Abonnenten, Tagesthemen-Schauer, Angestellte im öffentlichen Dienst, Freiberufler, Sportschau-Gucker, Arte-Seher, Lehrer, Schüler, …

Alles „Filterblasen“!

Parallelrealitäten, mit jeweils eigenen Gesprächsthemen, Informationsquellen und Wertesystemen. Natürlich auch mit ‚Grenzgängern‘ und teilweise Überlappungen.

Jeder Schüler, der morgens in der Schule und nachmittags Zuhause in zwei verschiedenen Welten lebt, weiß sofort, wovon ich rede. Bei Wissenschaftlern spricht man schon immer vom „Elfenbeinturm“, der nichts anderes ist als eine „Filterblase“. Die Menschen in meinem Heimatdorf wohnen in einer anderen Welt mit anderen Themen, Werten und Interpretationen als die Menschen in Berlin-Kreuzberg. Beide leben in Deutschland, beide leben in ihren eigenen „Filterblasen“. Schon immer.

Denn …

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‚Filterblasen‘ hat es schon immer gegeben

Irgendwie scheinen „Filterblasen“ als neues Phänomen des digitalen Lebens gehypt zu werden. Sind sie aber nicht. Wie die oben genannten Beispiele zeigen, leben Menschen auch außerhalb von Internet und Social Media in „Filterblasen“. Haben sie immer schon getan.

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Also … „Filterblase“? … so what!

Der Fake-News-Check

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
5. Der Fake-News-Check

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Der letzte Teil der Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘ ist eine Checkliste mit deren Hilfe man mögliche Fake News, Hoaxes und moderne Sagen erkennen kann.

Wenn eine Meldung 4 oder mehr Kriterien erfüllt, ist sie mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Fake News.

Merkmal Ja!
Ich lese die Nachricht in Social Media (z.B. Facebook).
Es wird aufgefordert, die Nachricht zu teilen/weiter zu verbreiten.
Die Nachricht warnt vor irgendetwas.
Die Nachricht stellt überspitzt dar.
Die Nachricht ist emotional geschrieben/verfasst.
Die Nachricht macht mich wütend bzw. regt mich auf.
Die Nachricht verwendet Allgemeinplätze.
Formulierungen sind schwammig oder widersprüchlich.
Die Nachricht ist meinungsstark oder bezieht eindeutig Position.
(aber nicht als Kommentar oder Glosse markiert)
Die Nachricht unterscheidet klar gut/böse und ist wenig differenziert.
Der Charakter von Personen wird „kritisch“ betrachtet.
Es wird eine Geheimorganisation oder eine alles kontrollierende Gruppierung erwähnt.
Datum der Nachricht nicht aktuell oder kein Datum angegeben.
Fehlen Beweise/Belege für einzelne Behauptungen.
Es wird keine Quelle für enthaltene Informationen angegeben.
Wenn ich auf das Link zur Quelle klicke lande ich woanders.
Bei der angegeben Quelle findet sich die Nachricht/Information nicht.
Die angegebene Quelle existiert nicht.
Behauptungen lassen sich nicht verifizieren.
Die Nachricht wird von staatlich kontrollierten Medien verbreitet
(z.B. RussiaToday).
Die  Quelle hat kein Impressum.
Die Nachricht findet sich nur bei einer Quelle
(bzw. bei nahe verwandten Medien)
Bilder passen nicht zum Text.
Bilder sind geklaut und/oder zeigen eigentlich etwas anderes.
Die Nachricht ist bei mimikama.at gelistet.
Der Domainname der URL (Webadresse) passt irgendwie nicht.
Ich habe das Gefühl, dass irgendetwas mit der Nachricht nicht stimmt.

 


Websites, die Fake News listen …

 

8 schnelle Tricks für die tägliche Nachrichtenlektüre (Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘)

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
4. Die Quelle

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Das bekommt man immer wieder um die Ohren geschlagen …

Man – möge – doch – bitte – die Quelle(n) prüfen.

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Nur … leichter gesagt als getan!

Soll ich wirklich jedes Mal losrennen und gegenprüfen, ob eine Nachricht oder Information aus einer seriösen Quelle stammt?

Kann ich das? Will ich das?

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Für Profis

… wie Journalisten, professionelle Rechercheure und Analysten gehört eine intensive Quellenprüfung tatsächlich zur täglichen Routine (sollte es zumindest). Wie das Checken der Instrumente vor dem Abflug eines Flugzeuges. Lästig, aber muss halt, wenn man Wert auf Zuverlässigkeit und Qualität legt.

Dabei werden Informationen kritisch hinterfragt und gegengeprüft …

  • Sind enthaltene Kerninformationen plausibel? Kann ein ein Ereignis zu dem genannten Datum überhaupt stattgefunden haben, oder können genannte Personen tatsächlich zum Datum am genannten Ort gewesen sein, etc.
  • Gibt es nur eine einzige Quelle für die Information/Nachricht, oder wird sie durch unterschiedliche Quellen bestätigt?
  • Und ist die Information in den unterschiedlichen Quellen konsistent? Falls es Abweichungen gibt, welche … und warum?
  • Falls es mehrere Quellen gibt, sind diese wirklich unabhängig voneinander, oder hat am Ende nur einer vom anderen abgekupfert?
  • Kann jemand die Nachricht persönlich bestätigen? Ein Beteiligter, ein Zeuge, ein Vertreter einer genannten Institution? Ist diese Person glaubwürdig?
  • Und so weiter und so fort …

Ganz wichtig ist für den Profi auch die Frage „qui bono?; also, wer einen Nutzen von der Streuung der Information/Nachricht zum aktuellen Zeitpunkt haben könnte. Und ob es eine Verbindung zwischen möglichen Nutznießern und der Quelle gibt. Oft sehr erhellend.

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Für meine täglichen Nachrichtenlektüre

… geht das natürlich zu weit. Ich will ja entspannt lesen.

Aber ein paar einfache Dinge gibt es schon, auf die ich achte

  1. Meine Grundeinstellung. Ich mache mir bewusst, dass es keine absolut neutrale Quelle gibt. Ich gehe pauschal davon aus, dass jede Nachricht/Information eine Interpretation enthält.
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  2. Ignoriere Facebook & Co. Soziale Medien eignen sich grundsätzlich nicht als zuverlässige Informationsquellen. Punkt. Leider vermischen sich dort gute Informationen mit einem grossen Haufen Mist. Und es ist wirklich schwierig beides sauber auseinander zu halten.
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  3. Breit informieren. Je nach Zeit und Möglichkeit lese bzw. konsumiere ich unterschiedliche Nachrichtenquellen. Tageszeitung, Wochenzeitung, verschiedene Newsportale, Radiosender und TV-Nachrichtensendungen, und wenn es sich ergibt auch mal gerne eine englischsprachige Zeitung oder Nachrichtensendung gegen den Binnenblick.
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  4. Taucht dieselbe Nachricht bei mehrere seriösen Quellen auf? Lese ich eine Information tagsüber in meiner Zeitungs-App, höre sie später im Radio und sehe sie am Abend in den Nachrichten, schreibe ich ihr eine höherer Zuverlässigkeit zu.
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  5. Was ist die Schnittmenge? Ich achte darauf, wie dieselbe Nachricht in unterschiedlichen Quellen formuliert wird und was trotz unterschiedlicher Interpretation und Schwerpunktsetzung der gemeinsame Kern ist? Welche Informationen sind trotz unterschiedlicher Interpretationen konsistent und immer enthalten?
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  6. Wie ist eine Nachricht geschrieben? Ich achte darauf, wie eine Nachricht verfasst ist. Welche Sprache wird verwendet? Werden einseitig besetzte Begriffe eingesetzt? Ist die Nachricht emotional formuliert (siehe ‚3. Wut‘)? Will sie mich aufregen, mich wütend machen? Gibt es eine „mythische Gruppe“ (siehe ‚1. Die mythische Gruppe‚)? Werden Behauptungen aufgestellt aber nicht bewiesen (siehe ‚2. Beweislastumkehr‚)?
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  7. Keine staatlich kontrollierten/beeinflussten Medien. Haben Informationen von ARD, ZDF, der WELT, der Süddeutschen oder DIE ZEIT für mich einen höherer Stellenwert als beispielsweise von RussiaToday und anderen staatlich kontrollierten Medien.
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  8. Fähigkeit zur Selbstkritik. Für mich haben Nachrichten und Informationen aus Quellen, die Fehler zugeben, eine höhere Wertigkeit. Spricht auch eher für die ARD als für RT.

Und immer wieder: cui bono? …!

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Manipulation durch Emotionen (Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘)

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
3. Wut

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Fake News sind oft wütend formuliert … aber wollen auf jeden Fall Wut auslösen. Sie zielen bewusst darauf ab, Emotionen zu erzeugen.

Denn Emotionen und vor allem Wut schalten das sachlich-kritische Nachdenken ab, und verführen dazu, eine Geschichte unreflektiert und ungeprüft weiter zu verteilen. Fake News sind wie Viren, sie wollen anstecken und befallen, Menschen und Gehirne. Und Wut ist Einfallstor und Futter für den Virus.

Wollen Sie Virenfutter sein?

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Ich werde mittlerweile vorsichtig, wenn mich eine Nachricht aufregt, wütend macht, oder traurig, oder betroffen. Merke ich also, dass eine Geschichte oder Nachricht starke Emotionen bei mir weckt, dann halte ich bewusst inne … und hinterfrage und recherchiere nach. Bevor ich einer falschen Geschichte auf den Leim gehe, bloß weil sie mich wütend macht.

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Deshalb:
  • Kopf anschalten und kritisch bleiben
  • bei Geschichten und Nachrichten, die aufregen, vorsichtig werden,
  • und sich nicht von emotionalisierten Bildern oder Geschichten manipulieren lassen

„Beweis mir doch das Gegenteil!“ (Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘)

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
2. Die Beweislastumkehr

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Mies aber effektiv.

Etwas behaupten, und beim kritischen Nachfragen kommt ein Spruch wie „beweis mir doch, dass es nicht so ist!“

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Nein, liebe Freunde der Weltverschwörung. Die Beweispflicht liegt grundsätzlich bei demjenigen, der eine Behauptung aufstellt.

Wenn ich behaupten würde, es gäbe einen Mann im Mond, dann müsste auch ich die Existenz eines Mannes im Mond beweisen. Da ich das nicht kann, halte ich meine Klappe, so schön die Vorstellung auch wäre.

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Ich befürchte allerdings, dass sich der typische Verschwörungsanhänger dieser einfach Logik entzieht. Also gibt es weiterhin Bücher über diverse Weltverschwörungen, Merkels Masterplan zur Abschaffung des deutschen Volkes, den Imperialismus von EU und NATO, die Nichtexistenz der Bundesrepublik Deutschland, krankmachende Impfungen, Krebsheilung durch hochdosierte Vitamine, Chemtrails, dass die Amerikaner nie auf dem Mond gewesen wären, die angeblichen Inszenierung von 9/11, die Scheibentheorie , UFOs, Nessie, den Yeti, und möglicherweise auch über einen Mann im Mond.

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Ich muss allerdings zugeben, dass es einen Vorteil gibt, sich auf diese falsche Denke einzulassen. So kann ich ganz entspannt alle Verschwörungsanhänger, Impfgegner, Volksretter, UFO-Jäger, Vitaminfanatiker, etc. zu durchgeknallten, neurotischen Spinner deklarieren … … … beweis‘ mir doch das Gegenteil!

Mythische Gruppen und Geheimorganisationen (Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘)

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
1. Die mythische Gruppe

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In sozialen Netzwerken kursieren immer wieder Falschmeldungen (‚fake news‘, ‚hoaxes‚) und moderne Sagen.

Diese haben sehr oft als – selbstredend bösen – Protagonisten eine mythische Gruppe, anonym, amorph, und oft ‚geheim'(nisvoll). Beispiele gefällig?

  • „die USA und die CIA“ … ein beliebter Klassiker
  • „der militärisch-industrielle Komplex“ … vormals sehr beliebt in linksintellektuellen Kreisen, ist aber irgendwann irgendwie abhanden gekommen
  • „die Atomkraftlobby“ … die sich allerdings mittlerweile irgendwie selber atomisiert hat
  • „die Pharmaindustrie“ … wobei sich Insider bei der Vorstellung totlachen
  • „die jüdische Weltverschwörung“ … als Vorstellung sehr bekloppt, aber leider unkaputtbar
  • „die Eliten“ … hallo! … gleich mehrere?
  • „die etablierten Parteien“ … gerne von Parteigängern vorgworfen, die sich selber gerade etabliert haben
  • „DIE Lügenpresse“ … warum habe ich dabei immer einen kleinen, grauen, zeternden älteren Herren mit verbissenem Gesicht vor Augen?
  • „DIE Flüchtlinge“ … war in den 50ern schon mal beliebt … jetzt wieder da
  • „DIE Klimalobby“ … aber auch gerne alternativ „DIE Klimaleugner“
  • etc. pp.

Übrigens immer gerne mit dickem, fetten, grossen, dreifach unterstichenem „DIE“ („DIE Pharmaindustrie“ zum Beispiel). Ein verbaler Zeigefinger, fest, bestimmt und unumstösslich ausgestreckt in Richtung des unsagbar Bösen.

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Die mythische Gruppe bzw. Geheimorganisation zeichnet sich dadurch aus, dass sie …

  1. ein Mythos ist, also nicht real existiert,
  2. aber die sich als als fiktive Projektsfläche eignet, um ihr pauschal das ganze Unglück der Welt zuzuschreiben, wie Hexen, Drachen oder die Anhänger Lord Voldemorts,
  3. sich auch keiner gegen Vorwürfe gegen diese Gruppe wehrt, weil sich erstmal gar keiner angesprochen fühlt oder es einfach real niemanden gibt, der sich angesprochen fühlen könnte,
  4. und die Vorstellung der bösartigen, formlosen Masse einen grusligen Schauer erzeugt, ähnlich wie der Anblick des Raubzuges einer wimmelnden Wanderameisenkolonie im brasilianischen Regenwald.

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Ich denk mir nur immer … bei all den vielen aktiven, geheimen Gruppierungen, die alle irgendwie eine Art Weltherrschaft anstreben … müssten die sich doch eigentlich gegenseitig ganz schön ins Gehege kommen, oder?

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Lange Rede, kurzer Sinn:

Verwendet eine Nachricht oder Geschichte eine mythische Gruppe oder Geheimorganisation, dann ist es mit Sicherheit eine ‚fake news‘ bzw. eine moderne Sage (= Lügengeschichte).

Ukraine-Konflikt – Wer hat recht?

Momentan bedrängen uns zur Krise in der Ukraine Unmengen an Meldungen, Bildern, Eindrücken, Informationen und Meinungen. Dabei gibt es eine deutliche Diskrepanz zwischen den Botschaften, die von westlichen Medien und Politiker verbreitet werden, und solchen der russischen Medien und Politiker.

Woher weiß man aber, welchen Informationen man trauen kann? Wie findet man die Wahrheit? Wem soll man glauben?

Informationsprofis nutzen bestimmte Fragen, um der Wahrheit zumindest näher zu kommen. Beispielsweise …

  • Wie ist die Quelle einer Information zu bewerten?
  • Welche Ausdrucksweise wird verwendet? Tendenziös oder nüchtern? Parteinehmend oder sachlich?
  • Können Informationen/Meldungen aus einer Quelle durch andere, idealerweise unabhängige Quellen verifiziert/bestätigt werden?
  • Was wird nicht berichtet? Was wird nicht gesagt? Welche (Teil)Informationen fehlen?
  • Gibt es Schnittmengen/Überlappungen zwischen unterschiedlichen Meldungen und Berichten? Was bleibt als gemeinsamer Kern?
  • Welche Protagonisten (Hauptpersonen) gibt es? Was weiß man über diese? Wie ticken die? Welchen Nutzen haben diese an konkreten Ereignissen oder bestimmten Meldungen?

 

Eine weitere Frage ist meiner Meinung nach besonders wichtig, und wird oft nicht oder nicht richtig gestellt. „Qui bono?“ Bei jeder Meldung, jeder Information, jedem Ereignis sollte man sich fragen, wer eigentlich einen oder sogar den effektiven Nutzen davon hat. Einen Nutzen davon, dass bestimmte Dinge passieren, einen Nutzen von der Verbreitung ausgewählter Nachrichten und Informationen, einen Nutzen, dass andere Dinge im Dunkeln bleiben. Die Antwort auf die Nutzen-Frage kann sehr erhellend sein.

Ich möchte nun gerne einige der obigen Fragen stellen, um mich der Antwort zu nähern, wem man glauben kann, welche Informationsquellen vertrauenswürdiger und zuverlässiger sind, als andere. Dabei bewerte ich jedes Qualitätsmerkmal und jeden fehlenden Eigennutzen mit einem grünen Punkt (grnsqare), sowie jeden Qualitätsmangel und jeden Eigennutzen mit einem roten (redsqare). Der Daumen zeigt das Fazit. (Die Daumenmarkierung steht dabei ausschließlich für die resultierende Gesamtbewertung als Quelle, und darf nicht als politische Bewertung missverstanden werden.)

OK, los geht’s …

 

Ukrainische RegierungSchlechte Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Die ukrainische Regierung führt einen aktiven militärischen Kampf gegen innere und – mit gegebener Wahrscheinlichkeit – auch äußere Feinde. Dies beinhaltet den parallelen Propagandakriegredsqare Meldungen werden teilweise instrumentalisiert oder tendenziös interpretiert. redsqare

Qui bono?

Weder der ukrainische Staat, noch die ukrainische Bevölkerung und Gesellschaft, noch der ukrainische Präsident scheinen irgendeinen direkten oder indirekten Nutzen bzw. Vorteil von der Krise zu haben. grnsqare Im Gegenteil. Die junge noch wackelige Demokratie kann sich nicht entwickeln. Radikale werden gestärkt. Die die Kosten für militärische Unternehmungen verschärfen die Finanzkrise des Landes. Auch die Position des ukrainischen Präsidenten wird durch eigene Verluste, zivile Opfer und Waffenstillstandsverhandlungen zunehmend geschwächt.

Allerdings hat die ukrainische Regierung durchaus einen potenziellen Nutzen von Fehlinformationen, die im Rahmen der Propagandaschlacht mit Russland die eigene Position stärken. redsqare

 

Russische SeparatistenSchlechte Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Als aktive Kriegspartei trägt diese Quelle kaum neutralen Informationen oder Fakten bei. redsqare Es gibt keine unabhängige Berichterstattung, und Journalisten werden aktiv und teilweise mit Gewalt an ihrer Arbeit und der professionellen Informationsermittlung vor Ort behindert. redsqare Alle Meldungen sind stark selektiert und tendenziös interpretiert. redsqare Daher sind Informationen aus dieser Quelle primär als Propaganda einzuordnen

Qui bono?

Die sogenannten russischen Separatisten, hier vor allem die militanten und militärisch aktiven, sind in wesentlichen Teilen ehemalige Kriminelle und gesellschaftlicher Bodensatz ergänzt um eingesickerte russische Kombattanten. In ihrer neuen Rolle erleben die Separatisten eine Macht, die sie unter normalen Umständen nie haben würden, und sie können unbehelligt ihre Neigung zu Gewalt, Unterdrückung und Plünderung ausleben. redsqare Diese Gruppe weiß, dass sie diese „Privilegien“ in einer zurückgekehrten ukrainischen Zivilgesellschaft verlieren würden. Daher werden sie vermutlich so lange wie möglich am de facto anarchistischen Zustand in von ihnen besetzten Gebieten festhalten. redsqare

 

Russische RegierungSchlechte Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Der russische Präsident und seine Regierung sind durch zuletzt belegte, überführte Falschinformationen und vorsätzliche Unwahrheiten keine verlässlichen Informationsquellen. redsqare Der russische Präsident hat nachgewiesenermaßen bereits bei der Annexion der Krim vorsätzlich gelogen, betreffend des Einsatzes russischer Soldaten auf ukrainischem Staatsgebiet. Und das russische Verhaltensschema in der Ostukraine ist sehr ähnlich dem zuvor auf der Krim gezeigten.

Der Kreml scheint hochaktiver Mitspieler im parallelen Propagandakrieg zu sein. Meldungen und Informationen werden seitens der russischen Regierung kontrolliert, selektiert, instrumentalisiert und teilweise tendenziös interpretiert. redsqare Der russische Präsident ist als ausgebildeter Geheimdienstmitarbeiter Experte für verdeckte Operationen, Informationsmanipulation und psychologische Spielchen. redsqare Darauf wurde er über viele Jahre konditioniert, das  ist seine Welt. Es ist naheliegend, dass er – vor allem unter Druck – instinktiv auf das zurück fällt, was er gelernt hat und gut kann. Sehr spannend fände ich eine ergänzende professionelle Analyse der vom russischen Präsidenten gezeigten Körpersprache.

Das Rating für die russische Regierung wird zusätzlich verschlechtert, da verstärkt breite Meinungseinflussnahme in Internetmedien hinsichtlich der russischen Position durch sogenannte „Trolle“ beobachtet wird. Die ungewöhnlich starken und systematischen Troll-Aktivitäten – vor allem bezüglich Themen rund um die Ukrainekrise – lassen sich weniger durch eigeninitiativen Patriotismus des Schwarmes erklären … sondern vor allem durch koordinierte, gelenkte Propagandamaßnahmen des Kremls. Letzteres wird von der Süddeutschen Zeitung bestätigt. redsqare

Qui bono?

Russland hat einen direkten Nutzen am Ukrainekonflikt, denn dieser setzt ein Zeichen russischer Stärke gegen die aus seiner Perspektive zu starke Annäherung westlicher Bündnisse an sein Territorium. redsqare Darüber hinaus gewinnt Russland durch die Annexion der Krim sowie eine mögliche Annexion ostukrainischer Gebiete zusätzliches Staatsgebiet. redsqare Eine Annexion – oder eine Unabhängigkeit als Zwischenstufe – ostukrainischer Regionen würde für Russland darüber hinaus das Problem der fehlenden Landverbindung zur Krim lösen. redsqare

Erstmal nutzen alle Dinge, die Russland nutzen, nutzen auch dem russischen Präsidenten Putin als einem der Hauptprotagonisten des Konfliktes, weil dadurch innenpolitisch seine Machtposition stabilisiert wird. redsqare Ein äußerer Feind (und sei es ein konstruierter) fördert Zusammenrücken und Zusammenhalt im Inneren. Und das ist vor allem zum Nutzen des russischen Präsidenten, der sich in den Monaten zuvor zunehmend mit innenpolitischen Kritikern und Demokratisierungsbewegungen auseinandersetzen musste. Die Ukrainekrise ist auch großartige innenpolitische Imagepropaganda für Putin, da sie seine Darstellung als starker Mann und echter Kerl unterstützt. redsqare

 

Russische MedienSchlechte Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Auch russische Medien (einschließlich ihres staatlich finanzierten, internationaler Ablegers „RussiaToday“) sind nicht neutral, und nach meiner Beobachtung im parallelen Propagandakrieg professionell instrumentalisiert. Meldungen werden selektiert und einseitig interpretiert. redsqare Selbst russische Journalisten und Medienvertreter, die zur Zeit in deutschen Medien auftreten, wirken nicht wirklich frei in ihren Aussagen und fallen durch zu überlegte Wortwahl und ausweichendes Taktieren auf. redsqare Es drängt sich vereinzelt der Eindruck auf, dass sie aktiv in Propagandastrategien eingebunden sein könnten.

Erschwerend kommt hinzu, dass in Russland faktisch keine umfassende Presse- und Informationsfreiheit existiert. Kritische Journalisten wurden in den letzten Jahren bedroht, misshandelt, in ihrer Berufsausübung behindert oder sogar ermordet. redsqare Alle großen Medien sind direkt oder indirekt unter Einfluss oder Kontrolle der russischen Regierung und nicht unabhängig. redsqare Belegt falsche Informationen durch die russische Regierung werden von den Medien vor Ort nicht hinterfragt, kritiklos übernommen und verbreitet. redsqare Nachweise für Fehlinformationen, die nicht in das gewünschte Gesamtbild passen, werden ignoriert oder unterschlagen.

Interessant ist auch die Selbstdefinition beispielsweise von RussiaToday, „brings the Russian view on global news„. Hier wird ganz offen gesagt, dass neutrale, unabhängige Berichterstattung gar nicht der Auftrag ist, sondern einseitige Interpretation. redsqare

Im Ergebnis sind Informationen durch russische Medien hinsichtlich Richtigkeit und Qualität mit großer Vorsicht zu genießen, und diese Quellen sind bezüglich Qualität und Wahrheitsgehalt niedrig einzuordnen.

Qui bono?

Für russische Medien und ihre Vertreter stehen unter starkem Druck, regierungskonform zu berichten. redsqare Ihr Nutzen ist, dass sie nur dann keine Übergriffe fürchten und ihren Beruf ausüben können.

 

Deutsche Regierung (exemplarisch für Westeuropa)Gute Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Die deutsche Regierung, sowie Vertreter derselbigen, verhält sich in meiner Bewertung ausreichend abwägend und ausgeglichen. grnsqare Sie versucht, trotz klarer Sympathien für die ukrainische Demokratiebewegung und Ablehnung der Angriffe auf die staatliche Integrität der Ukraine, die Tür zu anderen Konfliktparteien offen zu halten und auf Aktivitäten ausgewogen zu reagieren.

Qui bono?

Diese Quelle hat keinen ersichtlichen Nutzen von der Krise oder Fehlinformationen. grnsqare

 

Deutsche MedienGute Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Deutsche Medien – wie die meisten mittel/westeuropäischen – qualifizieren durch Vielfalt und Bandbreite grnsqare, Unabhängigkeit und Freiheit der Berichterstattung grnsqare sowie Kontakte und Netzwerke vor Ort als zuverlässige Informationsquellen grnsqare. Sie besitzen eine – im Einzelfall mehr aber im Mittel – ausreichende Distanz zu Regierung und politischen Organisationen grnsqare, und begleiten diese seit Jahrzehnten in bewährt kritischer Berichterstattung.

Qui bono?

Deutsche Medien haben keinen ersichtlichen Nutzen von der Krise oder Fehlinformationen. grnsqare

 

Osteuropäische EU- und NATO-MitgliedsstaatenQuelle mit guten und schlechten Aspekten

Qualitative Einordnung als Quelle

Osteuropäische Staaten wie Polen, Litauen, Estland und Lettland sind – vor allem emotional – nicht neutral. Sie fühlen sich in Ihren Befürchtungen und Ressentiments gegenüber Russland bestätigt. redsqare Informationen über die Ukrainekriese aus diesen Ländern sind sicherlich durch den unmittelbaren Erfahrungshorizont und die regionale Nähe sehr hochwertig grnsqare, sollten aber grundsätzlich auf unbewusste unterschwellige Botschaften geprüft werden.

Qui bono?

Osteuropäische EU- und NATO-Mitgliedsstaaten fühlen sich latent von Russland bedroht. Die aktuelle Krise unterstützt ihre Forderungen nach mehr Schutz,  stärkerer NATO-Präsenz und unter Umständen auch nach mehr finanzieller Unterstützung. redsqare

 

Europäische Union (EU)Gute Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Die EU hält sich als Informationsquelle sehr bedeckt und zurückhaltend. grnsqare Auf politischer Ebene verurteilt sie Kriegsverbrechen beider Seiten grnsqare sowie offensichtliche Völkerrechts- und Vertragsverletzungen, die bisher ausschließlich von Russland begangen wurden.

Qui bono?

Die EU hat keinen ersichtlichen Nutzen von der Krise oder Fehlinformationen. grnsqare Im Gegenteil, die politische Gesamtsituation hat sich deutlich verschlechtert und die Folgen von notwendigen Wirtschaftssanktionen gegen Russland schwächen auch den EU-Raum. grnsqare

NATOGute Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Die NATO verfügt durch moderne Aufklärungsmethoden über Informationen und Belege grnsqare, die sie bereits vereinzelt veröffentlicht hat, so z.B. der Nachweis von Artillerieeinheiten, die von russischem Boden aus auf ukrainisches Staatsgebiet feuern. Darüber hinaus ist die NATO wichtige Informationsquelle für großräumige russische Truppenpräsenzen und -bewegungen im Grenzgebiet zur Ukraine. Grundsätzlich besteht bei militärischer Aufklärung und Informationssammlung, wie im Fall der NATO, das Problem, dass bestimmte Informationen nicht öffentlich gemacht werden (können), also vorsätzlich selektiert werden, da die Information selber Rückschlüsse auf die Art und Technologie der Beschaffung erlauben würde. redsqare

Qui bono?

Die NATO hat keinen ersichtlichen Nutzen von der Krise oder Fehlinformationen. grnsqare Im Gegenteil. Das Abkommen der NATO mit Russland ist gefährdet, in Folge könnte sich die Bedrohungslage verschlechtern. grnsqare Und die NATO sieht sich mit zunehmenden Forderungen seitens osteuropäischer Mitgliedsländer nach stärkerer militärischer Präsenz konfrontiert, was aufwendige Umstrukturierungen, Mehrausgaben und strategische Neuplanungen zur Folge haben wird. grnsqare Summa summarum: kein nutzen, nur mehr Stress.

 

UNOUnklare Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Die UNO taucht als Informationsquelle kaum bis nicht auf. Sie scheint durch die Präsenz der Konfliktpartei Russland sowie des wirtschaftlichen Nutznießers China im Sicherheitsrat blockiert.

Qui bono?

Die UNO als Organisation hat keinen ersichtlichen Nutzen von der Krise oder Fehlinformationen. grnsqare Unter Umständen besteht die Gefahr, dass einzelne UNO-Mitglieder die Organisation instrumentalisieren. redsqare

 

OESZEGute Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

Die OSZE gilt als neutrale Quelle für Informationen aus Krisengebieten. grnsqare

Qui bono?

Diese Quelle hat keinen ersichtlichen Nutzen von der Krise oder Fehlinformationen. grnsqare

 

ChinaUnklare Quelle

Qualitative Einordnung als Quelle

In der Ukrainekrise fällt China bisher – zumindest sichtbar – nicht als Informationsquelle auf.

Qui bono?

Viel interessanter ist allerdings die Nutzenbetrachtung. China, welches sich in Zeiten von Wirtschaftssanktionen durch die westliche Welt dem russischen Staat und dortigen Unternehmen als alternativer Handelspartner anbietet. China hat eindeutige wirtschaftliche, unter Umständen sogar strategische Vorteile durch die aktuelle Situation. redsqare Politisch hat dies zur Folge, dass China beispielsweise diplomatische Verurteilungen  russischer Aggressoren verhindert und Embargos konterkariert. redsqare Dadurch fördert China indirekt eine weitere Eskalation durch Russland, weil dieses – zumindest kurzfristig – keine schmerzhaften Sanktionen befürchten muss, quasi einen Freibrief bekommt.

Zusammenfassung

  1. Der russische Präsident und seine Regierung sind als überführte Lügner keine verlässlichen Fakten- und Informationsquellen. Russische Separatisten sind ebenfalls ein Totalausfall.
  2. Dem ukrainischen Präsidenten und seine Regierung konnten bislang keine vergleichbaren Täuschungen oder Unwahrheiten nachgewiesen werden. Unabhängig davon sind diese aber als Quelle ebenfalls vorsichtig zu sehen, da sie in keiner neutralen Position sind.
  3. Russische Medien qualifizieren ebenfalls nur sehr eingeschränkt als verlässliche Informationsquellen. Sie kommen ihrem Selbstverständnis als einseitige Interpretatoren der Ereignisse sehr professionell nach.
  4. Deutsche Medien (sowie andere west- und mitteleuropäische) qualifizieren in der Summe als weitestgehend verlässliche Informationsquellen. Sie bilden eine Bandbreite an Meinungen ab, und sind gleichzeitig bezüglich der Fakten und Informationen über die aktive militärische Beteiligung Russlands in der Ukraine konsistent untereinander und mit anderen Quellen.
  5. Internationale Organisationen, wie die EU, die NATO und die OSZE, haben keinen ersichtlichen Nutzen vom Konflikt oder an der Verbreitung von Fehlinformationen. Sie qualifizieren daher bis zum Beleg des Gegenteils als zuverlässige Informationsquellen.

Ich denke, nach dieser Analyse fällt die Entscheidung leichter, wem man bzw. Informationen welcher Seite man mehr trauen kann.

 

Meine abschließende persönliche Bewertung der Situation in der Ostukraine:

  • Die Ansicht, dass Russland militärisch aktiv an der Ukrainekrise beteiligt ist, wird von zahlreichen als qualitativ zuverlässig bewerteten Medien weltweit vertreten, und unter anderem bestätigt von unabhängigen Korrespondenten vor Ort, von der EU, der NATO und der OSZE.
  • Geleugnet werden die militärischen Aktivitäten Russlands auf ukrainischem Boden ausschließlich von Russland selber und russischen Medien vertreten, und von keiner unabhängigen und qualitativ zuverlässigen Quelle bestätigt. Der russische Präsident hat sich als überführter Lügner bezüglich des Einsatzes russischer Soldaten während der Krim-Annexion selber diskreditiert.
  • Die Aussagen und Informationen von EU, NATO, OSZE und westlichen Medien überlappen in wesentlichen Teilen, so dass von einem wesentlichen wahren Kern auszugehen ist.
  • Für die Aussagen Russlands gibt es ganz deutliche Überlappungen mit den russischen Medien. Aber nur mit russischen Medien … und nahezu ohne Abweichungen! Abweichungen, die normalerweise bei unabhängiger, pluralistischer und kritischer Berichterstattung zwangsläufig sind.
  • Qui bono? – Antwort: einen Nutzen an der Krise sowie an Fehlinformationen über russische Aktivitäten haben im überwiegenden Maße Präsident Putin, Russland und die sogenannten russischen Separatisten.
  • Die Rolle Chinas als „hidden player“ und indirekter Nutznießer ist noch schwierig zu bewerten. Eine tiefergehende Analyse könnte sehr spannend sein.

 

Zum Weiterlesen …